Im Weinkeller

Trunken-frivole Geschichten aus kühlen Gewölben

Mit Illustrationen von Juliane Hundt

36 Seiten, mit Transparent-Schutzumschlag

ISBN 978-3-00-020421-0

Preis: 9,80 € 


 


 

Kurzinhalt:

In einem düsteren Weinkeller erleben eine Maus, eine Spinne, ein altes Holzfass und der Winzer mit seiner Magd absurde und trunken-frivoleAbenteuer. In 9-zeiligen Reimen geht es hart zur Sache: Es wird gemordet, Blutgesaugt, getrunken, getorkelt, und geliebt.  


 

LESEPROBE 1. Kapitel

 

Normalerweise lebt die Maus, das weiß wirklich jedermann,

gern im Keller von 'nem Haus, weil sie da gut knabbern kann.

An den Würsten, die da hangen, an den kurzen, an den langen,

an den dünnen, an den dicken, welch ein Feinschmeckerentzücken!,

   denkt sie, und frisst ohne Bangen.

 

Doch in dem speziellen Falle sind's die Würste nicht allein,

denn in dieser dunklen Halle lagert auch manch Fässchen Wein!

Kurz und gut: So lässt sich's leben zwischen all dem edlen Saft der Reben,

wenn man alle Tage satt zu fressen und zu saufen hat,

   bleibt man, wo man ist, gern kleben.

 

Vor Jahren hat die Maus genagt in ein Fass ein kleines Loch,

durstig, kühn und unverzagt. Und so tropft es heute noch!

Wie es sich gerade füge - täglich drei, vier Mäusekrüge

von dem alten Grauburgunder stürzt das Mäuschen schnell hinunter.   

   Was fürs Erste wohl genüge.

 

Ist der erste Krug geleert in des kühlen Kellers Stille,

lebt sich's schon ganz unbeschwert. Langsam steigen die Promille.

Leicht schon schwankt das Mäuschen rum, singt dazu: Hei, didel-dum,

kullert wirr mit den Pupillen, will noch einen Krug sich füllen,

   dass da komme das Delirium.

 

Nur ungern geht die alte Maus so angetrunken, dick und satt,

raus aus ihrem Kellerhaus. Grad' wenn sie 'nen Kater hat,

ist im Kopf sie nicht so schnelle. Merkt nicht: An der Kellerschwelle

lauert eine dürre Katze, die das Fell und auch die Fratze

   gerne von dem Mäuschen pelle,

 

um sich dann ein Steak zu braten, nachmittags, so gegen vier.

Ach, das würde gut geraten von dem weindurchtränkten Tier!

Angeschmort in guter Butter wäre dies einköstlich' Futter!

Träumt die Maus dies: Auf der Stell' sträubt sich ihr das Mäusefell,

   denn so starb schon ihre Mutter.

 

Ihrer ehrend zu gedenken, die jetzt wohnt auf Wolke sieben,

neuen Wein sich einzuschenken, ist weiß Gott nicht übertrieben.

Sicher schaut sieTag und Nacht runter, was ihr Kleines macht,

Und hält schützend ihre Hand übers ganze Mäuseland.

   So gibt die guteutter acht!

 

Sie sieht von oben ihre Brut mit dem Kruge in der Hand,

denkt: Was hat's das Mädel gut. Saufen ist doch keine Schand!

Hier im siebten Mäusehimmel hör ich täglich nur Gebimmel

von den Mäusehimmelglocken. Eingehüllt in weiße Flocken

   setz ich an schon ersten Schimmel!

  

Schön wär so ein Fässchen Wein auch für uns, die alten Geister,

doch so kann's nun mal nicht sein. Das ist wirklich Scheibenkleister!    

Wein würd' uns desinfizieren! Vielleicht würde mich gar verführen

der Geist von meinem alten Herrn. Mit Wein im Blut - da trieb er's gern!

   Sicher würde er mich küren

 

noch zu seiner Lieblingsmaus. Hier auf unsrer Mäusewolke

sucht' er sicher mich heraus aus dem ganzen Totenvolke.

Ja, das sind halt so Gedanken jenseits allerErden-Schranken.

All das ahnt die Maus im Keller. Säuft, es kost' ja keinen Heller,

   und immerhin: Noch kann sie wanken!

 

Mit dem nächsten großen Schluck schwindet diese Schattenwelt

wie ein Wirbelwind, ruck-zuck, aus ihrem Gedankenzelt.

Weinseeligkeit im tiefen Blick dreht sie still die Zeit zurück,

als sie jung und ohne Geld streifte durch die Weinbergwelt,

   da war sie noch jung und schick!

 

Als sie zwischen all den Reben und voll jugendlichem Feuer

lebte ihr noch junges Leben voller Liebesabenteuer.

Als so mancher Mäuserich auf sie stieg, man glaubt es nicht!

Und als mancher, matt im Gras, wurde schönster Katzenfraß

   im hellsten Sommersonnenlicht.

 

Jährlich warf sie zehn, zwölf Kinder, die auch alle, frisch gegrillt,

Kater Max, dem Mäuseschinder, stets den Magen gut gefüllt.

Jetzt, im Suff, will sie mit Tränen ihre Kinder auch erwähnen.

Ach, was waren das für schöne, hübsche graue Mäusesöhne!

   Denkt sie, rülpst, und muss tief gähnen.

 

Nein! Um gar nichts in der Welt, für die Katz' wär jedes Wort,

nicht für Käse, Sex und Geld ginge sie von diesem Ort.

Mäuschen kann fast nichts mehr sehen, tausend Sternlein um sie drehen.

Denn der nächste Krug ist leer und sie fühlt sich matt und schwer,

   beinah' kann sie nicht mehr stehen.

 

Es schaukelt wie auf einem Kahn, der im schlimmsten Sturme schlingert;

da scheint ihr, wie im Fieberwahn, als ob sie irgendwer befingert.

Hej, nimm deine Pfoten weg, will sie rufen, voller Schreck,

Doch dann lallt sie: Seht, oh seht, welch knackig-zarter Jüngling steht

   denn da in meinem Kellereck?

 

In den Augen von dem Kerle leuchten nochmal tausend Sterne,

strahlend wie 'ne echte Perle und sie lechzt: Mit dir doch gerne!

Was bist du für ein strammer Junge! Komm, mit jugendlichem Schwunge

bleib bei mir die ganze Nacht! Wir treiben's, bis die Schwarte kracht!

   Darfst auch lecken mit der Zunge

 

hinter meinem linken Ohr! Und in höchster Lustekstase

jubelt uns ein Engelchor. Komm zu mir! Sei kein Angsthase!

Musst mir schenkenkein Konfekt und auch keine Flasche Sekt!

Wein hab' ich hier selbst genug, auch Rosen, find' ich, sind Unfug.

   DU bist's, zu dem mein Herz sich reckt!

 

Komm, liebe mich, hier unter'm Fass! Da drinnen reift, ich weiß genau,

der Lieblingswein von Günter Grass, darunter sei der Liebesbau

für uns beide. Nimmmich! Schnelle! EineLust-Erotik-Welle 

treibt die Gier mir ins Gesicht, nach dir kleinem geilen Wicht.

   Stoße mich! Jetzt! Auf der Stelle!

 

Und so wird die ganze Nacht in manch seltnen Positionen

ordentlich Rabatz gemacht, wenn schon, soll sich's denn schon lohnen!

Zwischendurch, das ist die Regel, säuft man Wein, sonst sinkt der Pegel

von dem Alkohol im Blut. Das schadet nur der Liebesglut!

   Bis zum Schluss man streicht die Segel.

 

Betrunken und sehr abgemattet kann das Mäuschen nur noch lallen:

Hast genug mich jetzt begattet, lass uns in den Schlaf nun fallen.

Über uns der Mondhält Wacht, der hat gesehn, was wir gemacht.

Hat ganz begehrlich zugeschaut, wie du liebtest mich als Braut,

   doch nun sag ich: Gute Nacht.

 

Schnarchend geht die Nacht vorbei, auch kein Weingeist sie erschreckt,

bis am Morgen das Geschrei eines Hahnes beide weckt.

Recken sich und strecken sich, Mäuschen schreit: Ich fass' es nicht!

Du bist ja ein alter Greis! Drauf er bittet: Mach kein' Scheiß!

   Doch sie schreit: Ich hasse dich!!!

 

Was sie sah des Nächtens nicht, weil sie so besoffen war:

Runzeln prägen sein Gesicht und ganz grau ist schon sein Haar.

Ein dicker Bauch bis zu den Pfoten streift schon fast den Kellerboden!

Das Mäuschen schätzt: Mein Gott, fürwahr, der ist sicher hundert Jahr.

   Den schick ich zu den Pfefferschoten!

 

Nein. Besser noch, ich schicke ihn nach den leckren Käsestangen.

Soll er, wenn er kann, doch fliehn. Sonst mag ihn der Kater fangen.

So oder so: Der kommt nicht wieder. Nie mehr soll an meinem Mieder 

sich der fette Zwerg vergreifen oder die Begier gar reifen.

   Mich zum letzten Male sieht er!

 

Geh nur, Alter! Geh nur! Geh! Lauf entlang der dicken Bohle.

Käse holen tut nicht weh! Auf dass dich der Kater hole!

Der ruft draußen schon: Miau! Komm heraus, aus deinem Bau!

Und die Moral von der Geschicht'? Treibe es besoffen nicht!

   Und: Nachts sind alle Katzen grau.